Kontrollverlust
- Anita

- 21. Juni
- 2 Min. Lesezeit

In den letzten Monaten wurde mir deutlich gezeigt, dass ich definitiv nicht alles in der Hand habe. Ich kann nicht alles kontrollieren, was um mich geschieht. Ich würde so gerne, alles beeinflussen können, doch die ernüchternde Wahrheit ist, es liegt nicht alles in meiner Macht.
Ich hatte einen schweren Verlust. Meine Mama ist nach einer schweren Erkrankung von uns gegangen. Sie war 38 Jahre für mich, der Mensch der mich emotional am meisten gestärkt hat, herausgefordert hat und immer an mich geglaubt hat. Ein Mensch voller Güte und Zuversicht, ein Mensch der nie etwas Schlechtes in jemanden gesehen hat, egal wie hart sie das Leben geprüft hat.
Ich wollte sie unbedingt retten, ich zerbrach mir Tag ein Tag aus den Kopf, was für Therapieformen es auf der ganzen Welt denn noch gibt. Ich wandte mich an Spezialisten in der Forschung, ich spielte mit dem Gedanken selbst in die Forschung zu gehen... Irgendwie dachte ich, ich hätte die Zeit dafür. Doch die Zeit verging schnell. Viel zu schnell. In den Monaten, trug uns die Hoffnung, die Liebe und der Zusammenhalt. Wir verbrachten viel Zeit miteinander. Und irgendwie dachten wir bis zur letzten Minute "Morgen wird alles besser sein". Doch nicht alles liegt in unserer Macht. Ich musste akzeptieren, dass ich sie nicht heilen konnte. Glaub mir, wenn du in einem Beruf bist, in dem du täglich Menschen unterstützt wieder gesund zu werden, ist das dein tiefstes Bedürfnis. Mich zerstörte diese Ohnmacht fast und doch wusste ich, diese Verantwortung kann ich nicht tragen. Ich gebe was ich kann, was wirklich in meiner Macht steht und das mit ganz viel Liebe und Verständnis. Unsere Beziehung zueinander vertiefte sich auf ein neues Level, doch das machte es nicht leichter.
Meine liebe Freundin sagte mir nachdem Mama sich verabschiedete, Martina war zu gut für diese Welt, nun ist sie erlöst. Diese Worte sitzen. Sie sitzen tief, sind schwer zu ertragen und auf der anderen Seite wirken sie auf mich wie Heilung. Wie Hoffnung und Zuversicht, dass sie von diesem Leben nun erlöst wurde. Ich bin mir sicher, dort wo sie nun ist, ist es hell, genau so wie ihre Seele.
Ich glaube, wir dürfen lernen, jeden Tag aufs Neue, dass wir nicht alles in der Hand haben. Dafür das was wir in der Hand haben, mit Liebe, Freude und Bewusstsein zu machen.
Wie heißt dieses Sprichwort doch: "Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser?" ich sags dir ganz anders "Kontrolliere das Kontrollierbare und vertraue auf deinen Weg."




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